Industrielle Entwicklung

Die industrielle Geschichte der Stadt Ludwigsfelde

 

Mit dem 1. Spatenstich zum Bau des Daimler-Benz Flugzeugmotorenwerkes im Januar 1936 begann die industrielle Entwicklung Ludwigsfeldes. Schon im 4. Quartal des gleichen Jahres startete dann die Produktion der Flugzeugmotoren vom Typ DB 600, die in der Messerschmidt 109 eingesetzt wurden.


Im Verlauf der Entwicklung des Werkes wuchs die Ludwigsfelder Bevölkerung rasch auf bis zu 3.600 Einwohner im Jahre 1939. Mit dem Flugzeugmotorenwerk entstanden auch zahlreiche Werkswohnungen auf beiden Seiten der Autobahn, für den ständig steigenden Bedarf an Arbeitskräften.


Glücklicherweise blieb Ludwigsfelde, trotz seiner strategischen Bedeutung während des Krieges, von alliierten Luftangriffen weitestgehend verschont, nur das Fabrikgelände selbst wurde einige Male Ziel von Angriffen, der Schwerste erfolgte am 6. August 1944. Gegen Ende des Krieges begann man die Produktion des Jumo 004B Triebwerkes, das seine Verwendung im ersten Strahljäger der Welt, der Me 262, finden sollte.


Nach Ende des Krieges beschloss die DDR-Regierung auf dem ca. 3,75 km2 großen Gelände das Industriewerk Ludwigsfelde zu errichten. Die Produktion von Schiffsdieseln wurde aber bereits nach 6 Jahren im Jahre 1958 wieder eingestellt.


Berühmtheit erlangte die 1953 begonnene Produktion von Motorrollern, wie dem Berlin und dem Troll, von denen insgesamt rund 240.000 Stück bis 1963 vom Band liefen. Aber auch der Bau von Flugzeugtriebwerken ging Ende der 50er Jahre mit dem Triebwerk Prina 014 weiter. Dieses sollte im Typ 152 Verwendung finden, dem ersten und einzigen Verkehrsflugzeug der DDR. Aufgrund von Absatzschwierigkeiten ging es aber nie in die Serienproduktion. Bis zur Wende beschränkte man sich dann auf die Reparatur von Triebwerken der Nationalen Volksarmee. Ab 1991 setzte man dann mit der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg die jahrzehntelange Ludwigsfelder Luftfahrttradition fort. Apropos Flugzeuge, deren Sanitärausstattung wird bei Aqua Franke, einem der weltweit führenden Anbieter in diesem Bereich auch in Ludwigsfelde produziert. Hier entsteht unter anderem der Sanitärbereich für den Airbus A380, auf Kundenwunsch auch mit Dusche.


Mit dem Beginn der Serienfertigung des W50, einem leichten LKW mit 5 Tonnen Nutzlast im Juli 1965, erhielt Ludwigsfelde das Stadtrecht. Bis 1987 liefen 500.000 W50 vom Band, ehe man auf den L60 umstellte. Nach der Wende brachen dem IFA Automobilwerk Ludwigsfelde, das rund 10.000 Beschäftigte hatte, die Absatzmärkte weg, so dass es zu Massenentlassungen kam. Gleichzeitig entwickelte sich aber eine enge Zusammenarbeit zwischen Daimler-Benz und dem Automobilwerk. Unter anderem plante man die Errichtung eines großen LKW-Werkes in der Ahrensdorfer Heide, südlich von Ludwigsfelde, zu dessen Realisierung es jedoch nie kommen sollte. Vielmehr verlagerte man sich auf die Montage von Kleintransportern vom Typ Vario. Im September 2000 gab der damalige brandenburgische Ministerpräsident Manfred Stolpe den Startschuss für den ersten Van von Mercedes, dem Vaneo und damit den Aufbruch in eine neue Ära der wirtschaftlichen Entwicklung Ludwigsfeldes. Mit dem Auslaufen der Vaneo-Produktion im Sommer 2005 wurde das Ludwigsfelder Werk auf die Produktion des Mercedes-Benz Sprinters umgerüstet, der seit dem Sommer 2006 in Ludwigsfelde produziert wird.